![]() |
|
|||||||||||||||
Computerwoche, Sonderheft Young Professional, Nov. 1998Kind und Karriere unter einem HutSissi Closs setzt Zeichen als Unternehmerin und Professorinvon Helga Ballauf* Die IT-Branche braucht Chefinnen und Professorinnen, damit sich mehr junge Frauen trauen, Informatik zu studieren, um dann später in dieser Branche auch zu arbeiten, fordert die Münchnerin Sissi Closs. Auf mehreren Bildschirmen klebt ein Smilie-Symbol mit der handschriftlichen Ergänzung: Endlich wieder Montag! "Eine Aufmunterung", erklärt Sissi Closs lachend ihr Wochenendwerk. Wenn die Geschäftsführerin der Comet Computer GmbH am Samstag oder Sonntag ihren Schreibtisch entrümpelt, fallen Arbeitsaufträge fürs Team an. Und die werden mit einem freundlichen Smilie garniert. Comet Computer in München und Berg am Starnberger See beschäftigt in den Bereichen Technische Dokumentation und Übersetzung, Schulung sowie Softwaredesign und -entwicklung 22 Mitarbeiterinnen und acht Mitarbeiter. Die Kundenliste reicht von den Arbeitsverwaltungen in England und Schweden über BMW und IBM bis zu Siemens. Diplominformatikerin Sissi Closs hat das Unternehmen vor elf Jahren gemeinsam mit ihrem Geschäftsführer-Kollegen Michael Kusch gegründet. Außerdem ist sie Mutter eines siebenjährigen Sohnes und Professorin an der Fachhochschule in Karlsruhe im neugeschaffenen Studiengang Technische Redaktion. Eine erfolgreiche Frau in der männerlastigen IT-Branche. Was gehört dazu? Zweimal wurde Comet Computer auf dem Gebiet Chancengleichheit ausgezeichnet. 1994 erhielt die Firma einen Preis der bayerischen Staatsregierung für Lösungen, um Beruf und Familie zu vereinbaren, und weil sie Teilzeitbeschäftigten ein breites Qualifizierungsangebot macht. 1997 kam das Prädikat Total E-Quality für kooperative Firmenführung hinzu. Gerade zehn der 30 Beschäftigten arbeiten Vollzeit, berichtet Closs, alle anderen zeitreduziert, in individuell geprägten Arbeitsmodellen. Das Spektrum reicht von der regelmäßigen 25-Stunden-Woche über den punktuellen Einsatz bei bestimmten Projekten bis zur Verteilung von Arbeit und Freizeit in großen Blöcken. Daß für sie selbst keine "familienförderlichen Arbeitszeiten" gelten, nimmt Sissi Closs gelassen hin: "Die Firma ist mein Ding, ein exzessives Hobby sozusagen. Ich stecke viel hinein und bekomme viel zurück." Schrittweise will sich die Geschäftsführerin nun vom Tagesgeschäft abnabeln, um mehr Zeit für Beratung, Schulung und die Weiterentwicklung der Geschäfte zu haben. Die IT-Branche braucht Chefinnen und Professorinnen, weil sie eine Vorbildfunktion haben, glaubt Closs. Wenn sie an der Fachhochschule die Studentinnen anspornt, sich durchzusetzen und die Präsentation der Projektarbeiten nicht den Männern zu überlassen, denkt sie an das sichere Auftreten, das später in der beruflichen Praxis erforderlich ist. Fachlich gute Arbeit, Weitsicht, Teamfähigkeit und Wendigkeit können nicht verordnet werden, weiß die Unternehmerin. Erfahrung und Sozialkompetenz müssen wachsen. Deshalb hält sie wenig von Tendenzen in der IT-Branche, junge, leistungsbereite Spezialisten für den sofortigen Geschäftserfolg zu verschleißen. Wer in dem schnellebigen Wirtschaftssektor mit den unvorhersehbaren Umbrüchen am Markt bleiben will, braucht eine Belegschaft, die sich flexibel neue Geschäftsfelder erschließen kann. Ihrer Erfahrung zufolge gelingt dies viel leichter mit Menschen, "die einen breiten Horizont haben, nicht nur auf ihre Berufsarbeit fixiert sind und phasenweise viel Energie aufbringen können, wenn dann eine neue Herausforderung ansteht". Die Unternehmerin wünscht sich, daß die Politik solche Betriebe mit Zuschüssen unterstützt, die Mütter (und Väter) nach der Familienpause einstellen und ihnen flexible Arbeitszeiten bieten. Closs: "Die Wiedereinstiegskurse der Arbeitsämter kosten viel Geld und sind oft für die Katz, allein schon deshalb, weil sie Vollzeitpräsenz verlangen und sich erst an Frauen über 40 wenden." *Helga Ballauf ist freie Journalistin in Mnchen.
|
|
|||||
|
Comet® und das Comet-Logo sind eingetragene Marken |
||||||