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Handelsblatt, 1.2.1999Arbeitszeitmodelle müssen aufs Unternehmen zugeschnitten seinDie Stolpersteine beseitigenvon Helga Ballauf Immer dann für den Kunden da sein, wenn er es will dieser Anspruch setzt sich im Dienstleistungssektor langsam durch. Mit festen Öffnungs- und Arbeitszeiten von 8 bis 17 Uhr geht das nicht. Immer mehr kleine und große Unternehmen erkennen, daß es betriebswirtschaftlich und personalpolitisch sinnvoll ist, vielfältige Formen flexibler Arbeitszeitregelung zu entwickeln. An Modellen, wie Firmenbelange und Arbeitnehmerinteressen in Einklang zu bringen sind, mangelt es nicht. Entscheidend ist die Bereitschaft von Management und Beschäftigten, auf die Suche nach der jeweils passenden Lösung zu gehen. Zwei Beispiele: Die Comet Computer GmbH in München ist eine kleine Firma, in der von Anfang an variabel gearbeitet wurde. Das Großunternehmen Deutsche Bank AG in Frankfurt ist seit einiger Zeit dabei, das Arbeitszeitregime umzugestalten. Die Comet Computer GmbH bietet Dienstleistungen in den Bereichen Technische Dokumentation, Softwaredesign und entwicklung sowie Schulungen am Rechner an. Die Kundenliste reicht von den Arbeitsverwaltungen in England und Schweden über BMW und IBM bis zu Siemens. Drei Viertel der knapp 40 Beschäftigten sind Frauen. Als Sissi Closs mit ihrem Kollegen Michael Kusch vor gut 11 Jahren die Firma gründete, wurden gleich flexible Arbeitszeiten eingeführt mit dem Ziel, familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu fördern. Heute arbeitet etwa ein Drittel der Belegschaft Vollzeit. Alle anderen haben einzelvertragliche Teilzeitregelungen. Das Spektrum reicht von der regelmäßigen 25-Stunden-Woche über den punktuellen Einsatz bei bestimmten Projekten bis zur Verteilung von Arbeit und Freizeit in großen Blöcken und dem räumlichen Wechsel zwischen Heim- und Büroarbeitsplatz. Closs weiß, daß dieses Modell in einem Arbeitsfeld, in dem die Auftragslage kaum planbar ist und prompte Bedienung zählt, nur funktioniert, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Erstens müssen die Beschäftigten ein großes Maß an Flexibilität mitbringen und Phasen hoher Anspannung aushalten. Zweitens muß die Geschäftsleitung die Arbeit gut organisieren. Das ist dann zu machen, wenn zu den eigenverantwortlichen Projektgruppen immer jemand gehört, der gerade den Rücken frei hat und viel auffangen kann. Wichtig ist, daß die Phase starker Belastung zeitlich überschaubar bleibt. Bestätigt darin, daß ihre Arbeitsformen attraktiv sind, fühlt sich die Informatikerin Closs nicht zuletzt dadurch, daß die Stellen durch Mund-zu-Mund-Propaganda besetzt werden. Doch das Organisieren solcher Arbeitsformen will gelernt sein. Daher veranstaltet Comet Computer regelmäßige Trainings zu Arbeitsorganisation, Zeitmanagement und Teamfähigkeit. Wer in der schnellebigen Computerbranche auf dem Markt bleiben will, so Sissi Closs' Credo, braucht Mitarbeiter, "die einen breiten Horizont haben, die nicht nur auf ihre Berufsarbeit fixiert sind, aber phasenweise viel Energie aufbringen können". ...
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