Sonderheft des Bundesministeriums für Bildung und Forschung,
der Fachhochschule Köln und der Technischen Universität München
zur Hannover Messe 1999

Thema: Gestaltung von Service Produkten

Comet Computer - kundenorientierte Dienstleistungen auf der ganzen Linie

Interview in München mit Frau Prof. Sissi Closs, Geschäftsführerin Comet Computer

Interviewer: Jorun Cramer und Susanne Stein, TU München

26.01.1999

Frau Cramer: Warum kann man das Dienstleistungsangebot von Comet Computer als innovativ bezeichnen?

Frau Prof. Closs: Comet Computer konnte in den 80er Jahren als erstes Unternehmen seinen Kunden eine Dienstleistung anbieten, die EDV-Know-How und das Wissen der technischen Dokumentation verband. Neu war, diese Leistung als externer Anbieter zu erbringen. Es herrschte die Meinung vor, man müsse in einem Unternehmen verwurzelt sein, um die Dokumentation für die Softwareprodukte erstellen zu können. Bis in die 90er Jahre erschien unsere Dienstleistung ungewöhnlich. Heute verzeichnen wir jedoch eine zunehmende Technisierung der Dokumentationswelt und haben nun den Vorteil, daß unser Unternehmen in die Aufgabenstellung hineingewachsen ist. Was viele unternehmensinterne Entwickler und Abteilungen als lästige Pflicht ansehen, stellen wir unseren Kunden als hoch professionelle, umfassende Dienstleistung aus einer Hand zur Verfügung. Unser Leistungsspektrum reicht dabei von der technischen Dokumentation für elektronische Medien und Papier über Softwarelösungen für Versions- und Konfigurationsmanagement bis hin zu softwaregestützten Lösungen im Dokumentationsumfeld. Dazu gehören z.B. Formularmanagement oder graphische Bedieneroberflächen. Seit sich das Internet zunehmend zum professionellen Kommunikationsmedium entwickelt, gewinnt unser Leistungsbündel noch an Bedeutung: Wir führen für unsere Kunden eine Strukturierung und Aufbereitung ihrer Daten durch und realisieren ihren kreativen, bedarfsorientierten Internetauftritt in mehreren Sprachen.

Frau Stein: Wie entwickeln Sie in Ihrem Unternehmen neue kundenorientierte Dienstleistungen?

Frau Prof. Closs: Meine Idee, EDV-Know-How und das Wissen der technischen Dokumentation zu verbinden und als professionelle externe Dienstleistung anzubieten, entstand im Rahmen meiner Tätigkeit bei einem deutschen Technologieunternehmen. Ich erkannte als Quereinsteigerin aus der Informatik in die technische Dokumentation den Bedarf nach einer externen Dienstleistung, die EDV-Kompetenzen, Übersetzungsleistungen und die sprachliche, graphische Aufbereitung umfaßt. Durch die Markt- und Kundenanforderungen erhielt das Angebot von Comet Computer über die Jahre immer wieder neue Akzente.
Bei der Entwicklung unserer Dienstleistungen gehen wir nicht nach einem vorgegebenen Plan vor. Ich beobachte den Markt, lese viel, greife Anregungen auf und kombiniere sie neu. Hier spielen Gespür, Neigung und Intuition eine wesentliche Rolle.
Kristallisiert sich daraufhin ein Zukunftsfeld heraus, plazieren wir uns gezielt mit diesem Thema bei unseren Kunden, in der Presse oder bei Veranstaltungen. Wir versuchen, uns dabei von unserer Konkurrenz deutlich abzuheben. Step-by-step bauen wir dieses Aufgabenfeld weiter aus - wir wachsen mit unseren Aufträgen. Um ein hohes Qualitätsniveau zu erhalten, binden wir aber maximal 10% neuer Mitarbeiter auf einmal in einen neuen Bereich ein. Das ist sehr wichtig, auch um die Unternehmenskultur aufrecht zu erhalten.

Frau Cramer: Worauf basiert der Erfolg von Comet Computer?

Frau Prof. Closs: Die wichtigsten drei Erfolgsfaktoren sind: Flexibilität auf ganzer Linie, kontinuierliche Innovationen und hohe fachliche Kompetenz unserer Mitarbeiter. Unsere hohe Flexibilität basiert auf einem durchgängigen Unternehmenskonzept. Sie betrifft unsere Unternehmensstruktur, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Unternehmensführung und natürlich unsere Arbeitsinhalte. Wie in der EDV üblich, sind viele unserer Projekte sehr umfangreich und zeitkritisch und daher nur zu bewältigen, wenn teilweise über das normale Maß hinaus gearbeitet wird. Entscheidend dabei ist, daß jeder Mitarbeiter oder jede Mitarbeiterin selbst bestimmt, ob sie ein Projekt übernehmen wollen. Alle sind hochqualifiziert und wollen eigenverantwortlich arbeiten. Kooperation ist selbstverständlich und Überlastungssituationen kein Dauerzustand. Dafür erhalten die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen interessante Projekte, flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte. Jeder wählt sein persönliches Arbeitszeitmodell und kann frei entscheiden, wann und wo er wieviel arbeitet. Die Mitarbeiter können dadurch Privat- und Berufsleben besser vereinbaren und gehen motiviert an ihre Aufgabenstellungen heran. Flexibilität ist bei Comet Computer auch inhaltlich gefragt. Jeder Mitarbeiter muß bereit sein, die Kundenwünsche aufzugreifen. Entwickelt sich das Unternehmen weiter und wird ein neues Themenfeld erschlossen, verändert sich das Aufgabenfeld der Mitarbeiter.

Frau Stein: Welche Konsequenzen hat dieses Mitarbeiterkonzept für die Unternehmensleitung?

Frau Prof. Closs: Der große Freiraum der Mitarbeiter stellt natürlich hohe Anforderungen an die Unternehmensführung. Sie sorgt für einen durchgängigen Informationsfluß insbesondere auch mit den vielen Mitarbeitern, die auf Teilzeitbasis bzw. von zu Hause aus arbeiten. Wer physisch nicht im Büro ist, kann leicht vergessen werden, ohne daß eine böse Absicht dahintersteckt. Führungsaufgabe ist es auch, unsere offene, ungezwungene Atmosphäre zu bewahren. Konflikte müssen frühzeitig erkannt und konstruktiv gelöst werden. Manchmal ziehen wir auch externe Berater zur Problembewältigung heran. Kontrolle durch starre Regeln, wie zum Beispiel feste Arbeitszeitvorgaben, ist bei unserem flexiblen Arbeitskonzept nicht möglich. Aber auch ein rein ergebnisorientiertes Beurteilungsschema würde zu kurz greifen. Entscheidend ist vielmehr die Einbeziehung des gesamten Projektverlaufs. Teamfähigkeit, Kommunikation, Zielorientierung sind hier wichtige Erfolgsfaktoren. Eine zentrale Führungsaufgabe ist es daher, diese Faktoren zu fördern, damit sich Projektabläufe in die restlichen Prozesse im Unternehmen und beim Kunden harmonisch integrieren. Führungsaufgabe muß es auch sein zu motivieren. Der Umgang mit meinen Mitarbeitern ist dabei ein Geben und Nehmen. Ich erwarte von ihnen sehr hohe Qualität. Auf der anderen Seite gebe ich viel Freiraum. Unser Erfolg - seit mehr als 10 Jahren - basiert auf dem stimmigen Gesamtkonzept. Nur die Flexibilität auf ganzer Linie - von Organisation, Mitarbeitern und Führung - macht unsere hochwertigen kundenorientierten Dienstleistungen möglich.

Frau Stein / Frau Cramer: Vielen Dank.

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