Starnberger Merkur – 17. September 2001

Stärken erkennen und Chancen einfordern

Sonntagsgespräch mit Hildegard Kronawitter und Sissi Closs

Tutzing (hvp) – Chancen müssen aktiv eingefordert werden, nichts kommt von allein. Dies war einer der Kernsätze des Tutzinger Sonntagsgesprächs, zu dem die örtliche SPD gestern in den Andechser Hof eingeladen hatte. Auf dem Podium saßen – zum ersten Mal in der Geschichte der Veranstaltungsreihe – mit der Landtagsabgeordneten Hildegard Kronawitter und der Unternehmerin Sissi Closs zwei Frauen. Ihr Thema: "Chancen der Frauen im Beruf".

Die Lage scheint zwar besser als früher, aber immer noch düster. Frauen in Führungsetagen sind rar, sie verdienen weniger und weder die bayerische noch die Bundesregierung sorgen für ein flächendeckendes Netz, das konstruktive Kinderbetreuung gewährleistet. Insofern hatte Hildegard Kronawitter nicht viel Positives zu berichten. Dass die Veranstaltung dennoch nicht in feministischem Wehgeschrei endete, war auch dem beherzten Auftreten der Unternehmerin Sissi Closs zu verdanken. Die Professorin für Informations- und Medientechnik an der Fachhochschule Karlsruhe ist Inhaberin zweier Firmen und Mutter eines Sohnes.

Schuld an dem Dilemma sind laut Closs mehrere Faktoren. Zum einen die Firmen, die – im Kontrast zu den Anforderungen der Wirtschaft – nicht flexibel reagierten. Dann wären da die Frauen, die ihre Stärken und Chancen erkennen müssten.

Bedürfnisse klar formulieren

Nicht zu vergessen die Männer, "die ja in der Regel die Kinder zur Hälfte auch gemacht haben und entsprechend ihren Part tragen könnten", wie Closs formulierte. Als Beispiel nannte sie den Rennfahrer Mika Häkkinen, der nun ein Jahr Erziehungsurlaub nehme. Mut zur Selbstverantwortung, zur klaren Formulierung der eigenen Bedürfnisse und eine Ausbildung, die den Stärken der Frau entspricht und dafür sorgt, dass die Firmen aufgrund der Leistung Zugeständnisse machen – dieser Mix ist für Closs auch das Grundgerüst für berufliche Gleichberechtigung.

So manchem Zuhörer klang das zu einfach. Auch Hildegrad Kronawitter merkte an, dass neben den Lücken in der Betreuung auch die Meinung vorherrsche: "Wenn die Frau meint, arbeiten zu müssen, soll sie sehen, wie sie das geregelt kriegt." Einfordern könne sie unter diesen Umständen wenig. Und an einem Punkt bestand gar kein Zweifel: "Ohne die Unterstützung der Männer geht hier gar nichts."

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