Welt am Sonntag, 1. April 2001 - Auszug

"Frauen sind die besseren Bosse"

Immer mehr Unternehmen in Bayern werden von weiblichen Chefs geführt. So genannte "Soft Skills" machen die Damen in den Top-Jobs erfolgreich

von Ekkehart Baumgartner

Sie sind offener für Veränderungen, internationaler im Denken, besonnener bei der Umsetzung von Unternehmenszielen - die Frauen in Führungspositionen. Sind Managerinnen also die besseren Chefs? Personalberater jedenfalls sind begeistert.

Eine Studie der Hagberg Consulting Group aus den USA kommt zu dem Schluss: Frauen können ihre Mitarbeiter "besser motivieren" als Männer, sie sind im Vergleich wesentlich kommunikativer und sie produzieren qualitätsvollere Arbeit.
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Überzeugt von der Führungsqualität der Frauen, wünscht sich auch der bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu mehr Frauen in Leitungspositionen. Für ihn sind sie eine ungenutzte Ressource auf dem Arbeitsmarkt: Der Fachkräftemangel sollte durch mehr qualifizierte Frauen abgefangen werden.

Die Zahlen des bayerischen Wirtschaftsministeriums stellen der Tatkraft der Frauen ein gutes Zeugnis aus: Allein im Freistaat haben sich in den letzten zehn Jahren knapp 60.000 Frauen selbstständig gemacht. Der Zuwachs ist mit knapp 30 Prozent doppelt so hoch wie bei den Männern. Vor allem im Dienstleistungsbereich zeigen die Frauen, wo's lang geht: Dort handelt es sich, nach Kenntnis des Wirtschaftsministeriums, meist um Frauen, die das Erbe der Väter antreten.

Als Investoren treten Frauen häufig in den Branchen Handel sowie Hotel- und Gaststättengewerbe auf.

Trotzdem besteht noch großer Nachholbedarf: Von allen Selbstständigen in Bayern sind nur 27 Prozent weiblich. Lediglich 10,5 Prozent der Frauen haben eine Führungsposition, bei den Männern sind es immerhin 20,3 Prozent. Und Frauen im Management werden schlechter bezahlt: Noch immer verdienen sie rund 30 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Im Ausland ist die Situation der Frauen teilweise etwas besser: In Frankreich besetzen sie jede fünfte Führungsposition, in Großbritannien sind sechzehn Prozent der Manager weiblich.
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Ein Beispiel, wie sich steile Karriere und Familie in Einklang bringen lassen, ist das Unternehmen von Sissi Closs, 46. Ihr Unternehmen Comet Computer GmbH in der Münchner Innenstadt erhielt 1994, 1998 und 2000 einen Förderpreis der Bayerischen Staatsregierung für Chancengleichheit im Betrieb. Denn die Hälfte ihrer insgesamt 60 Mitarbeiter ist weiblich. Und junge Mütter und Berufsrückkehrerinnen werden besonders gefördert: Flexible Arbeitszeiten, die Möglichkeit zur Telearbeit, integrierte Kinderbetreuung und Führungspositionen für Teilzeitkräfte sind für Sissi Closs' Truppe Arbeitsnormalität.

Die einfallsreiche Chefin ist nicht nur Unternehmensleiterin und Mutter, sondern auch Professorin für Informations- und Medientechnik in Karlsruhe. Heute zählt sie zu den bekanntesten Experten für Online-Dokumentation in Deutschland.
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Eines haben die Befragungen unter Münchner Chefinnen gezeigt: Die Waffen einer Karrierefrau bestehen nicht nur aus den Attributen weiblicher Schönheit, sondern vor allem im Geschick zum Kommunizieren. Kooperation statt Konfrontation, Leistung statt Hierarchiegehabe: Mit dem traditionellen Bild eines Chefs hat das nichts zu tun. Frauen sind moderner.

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