![]() |
|
|||||||||||||||
Wirtschaftwoche, 03.06.1999Eine Nasenlänge vorausSissi Closs produziert verständliche Handbüchervon Imke Rafael Sie ist nicht der Typ, der um jeden Preis Geld scheffeln will. Jobs mit Kleiderzwängen hat sie immer gemieden, ihr widerstreben Ellenbogenmentalität und überflüssige Hierarchien. Millionenumsätze macht die 45jährige Sissi Closs trotzdem - und ausgerechnet mit einem Produkt, das in der EDV-Branche ein eher stiefmütterliches Dasein fristet: Closs produziert Handbücher für Softwareprogramme. In diesen Manuals werden den Benutzern die einzelnen Funktionen der Programme erläutert und wie sie erweitert oder verändert werden können. Dabei läßt die Qualität vieler Manuals oft zu wünschen übrig: Sie stecken voller grober Schnitzer, und die Sprache ist verquast. Der Grund: meist schustern die Programmierer selbst im letzten Augenblick schnell noch das lästige Dokumentationshandbuch zusammen. Oder man überläßt den Job gar einer Aushilfe, weil's billiger ist. Diese Ignoranz verblüfft Sissi Closs bis heute. Sie hat das Potential der vermeintlich nebensächlichen Manuals bereits früh erkannt: Vor zwölf Jahren gründete sie in München die Comet Computer Gesellschaft für Datenverarbeitung und Technische Dokumentation, um professionell aufbereitete Handbücher zu produzieren. Anfangs wurde sie nur milde belächelt. Kaum jemand gab der Literatur zur Software große Chancen, zumal es ein mühseliges Geschäft ist. Zuerst muß man die Software genau verstehen und dann auch noch gut beschreiben. Genau darin sah die studierte Informatikerin Closs eine Herausforderung: Der durchschnittliche Softwarenutzer sollte die Handbücher ebenso verstehen können wie der Profi. Mit diesem Anspruch war sie der Branche eine Nasenlänge voraus, und plötzlich erkannten auch die Unternehmen wie wichtig verständliche Manuals sind. Als erstes ließ Siemens seine Software bei Comet Computer dokumentieren. AT&T, Nixdorf, IBM und die Bundesanstalt für Arbeit folgten. Das Geschäft lief gut an. Schon im ersten Jahr blieben 30 000 Mark in der Kasse, obwohl Handbücher längst nicht so profitabel sind wie die Programmentwicklung selbst. 1994 bekam Comet Computer sogar den Ersten Preis für Dokumentationsarbeit vom weltweit größten Fachverband für Technische Dokumentation, der Society for technical Communication in Paris. Doch erst im vergangenen Jahr kam Comet Computer so richtig in Schwung. Da schnellte der Umsatz von drei auf fünf Millionen Mark hoch. Heute beschäftigt Comet Computer 40 Mitarbeiter. Closs' Erfolgsrezept: Es gelang ihr, EDV-Spezialisten und Dokumentationsprofis unter ein Dach zu bekommen. Informatikern brachte sie das Gefühl für Sprache und Stil bei, und Germanisten lernten bei Comet Computer die Finessen einer Software. Siemens war wieder als erstes zur Stelle und ließ Comet Computer die Software und Dokumentation für die Netzverwaltungen des Konzern produzieren. Inzwischen kaufen auch die HypoVereinsbank, IBM und die Münchener Rückversicherung diese maßgeschneiderten Kombilösungen. Dabei hat Closs dasselbe Problem wie die ganze Branche: EDV-Spezialisten sind Mangelware, der Markt ist leergefegt. Wer erstklassige Fachleute haben will, muß deshalb erstklassige Arbeitsbedingungen bieten. Und die waren von Anfang an das Fundament von Comet Computer: Selbstverantwortung und Eigeninitiative, dezentrales Arbeiten und Weiterbildung bei minimaler Regelung von oben. "Gute Arbeit ist ein Kind der Freiheit", weiß Closs nicht zuletzt aus eigener Erfahrung. Sie selbst ist am besten, wenn sie intuitiv und selbstbestimmt arbeiten kann. Ihre Leute können zwischen 12 und 35 Wochenstunden wählen, je nach persönlichen Bedürfnissen. Nur ein Drittel ihrer Leute hat Vollzeitstellen. Für Frauen ist sie ein attraktiver Arbeitgeber, da sie obendrein für Kinderbetreuung sorgt. Closs - die auch einen Sohn hat - ist überzeugt: "Man muß auch im Berufsleben auf die Befindlichkeiten des einzelnen Rücksicht nehmen." Mit dieser Devise soll sich auch die Anfang des Jahres gegründete Tochterfirma Comet Communication im Markt durchsetzen. Hatte sich Closs bisher auf Programme für die EDV konzentriert, so dokumentiert die Tochter nun auch im Bereich Betriebswirtschaft. Erster Kunde: das Softwarehaus SAP. An Arbeit mangelt es ihr nicht - so ganz nebenbei übernahm sie vor kurzem noch eine Professur für Medien- und Informationstechnik an der Fachhochschule Karlsruhe. ...
|
|
|||||
|
Comet® und das Comet-Logo sind eingetragene Marken |
||||||