Mobile Dokumentation -
Comet erkennt die Zeichen der Zeit
Comet ist einmal mehr Pionier für eine neue, entscheidende Entwicklung in der Dokumentationsbranche: Technische Dokumentation auf Smartphones und Tablet-PCs wird in Zukunft eine einflussreiche Rolle spielen. Wir konnten dank unserem Know-how bereits ausführliche Artikel zum Thema mobile Dokumentation für verschiedene Zeitschriften schreiben.
Auf unserem 12. Single-Source-Forum am 18. Juni 2012 werden wir uns intensiv mit den Konzepten, Anwendungen und Visionen im Bereich der mobilen Dokumentation auseinandersetzen. Weitere Informationen zur diesjährigen Veranstaltung finden Sie auf www.single-source-forum.de.
Auch unsere Kundenzeitschrift C-Blatt 22 vom Herbst 2011 hat sich der mobilen Technischen Dokumentation gewidmet. Den Originalartikel können Sie hier lesen:
Dokumentation auf mobilen Endgeräten
Neuauflage für das Single Sourcing
Inhalte und Anwendungen auf Tablet-PCs
und Smartphones mausern sich von
unterhaltsamen Zusatzfunktionen zu
wichtigen Informationsträgern, gerade
auch für die Technische Dokumentation.
Mobile Dokumentation ist inhaltlich
und technisch eine Herausforderung.
Das Prinzip des Single Sourcings
lässt sich gewinnbringend nutzen,
jedoch gelten für den Content auf mobilen
Endgeräten eigene Gesetze. Und:
Selbst mit dem inhaltlich bestvorbereiteten
Dokument gilt es bei der Publikation
auf mobile Endgeräte technische
Stolpersteine zu umschiffen.
Die mobilen Kanäle setzen neue Paradigmen
für alle Content-Bereiche: durch
die eingeschränkten Platzverhältnisse
und die schlechtere Lesbarkeit, aber
auch durch die neuen Funktionalitäten
der Hardware, die die Optionen für den
Content beträchtlich erweitern. Zudem
haben mobile Nutzer andere Erwartungen
und Verhaltensmuster als die klassischen
Desktop-Nutzer. Wenn mobile Dokumentation
funktionieren soll, müssen
diese Aspekte bereits bei der Planung berücksichtigt
und altbewährte Dokumentationskonzepte
neu überdacht werden.
Mobile Nutzung
Was vor Kurzem noch als jugendliche
Spielerei belächelt wurde, entwickelt
sich heute zu einer wichtigen
Kommunikationsfläche zwischen Unternehmen
und ihren Kunden. Auch die Produktinformation
wandert mehr und mehr in die kleinen Geräte,
die wir immer mituns tragen.
Statt langen Fehlerbeschreibungen
kann unser Smartphone heute
schon anhand eines seltsamen Geräuschs
im Motor den Fehler identifizieren und
uns direkt Abhilfe anbieten. Wir brauchen
keine dicken Bücher mitschleppen,
müssen nicht langwierig den Rechner
hochfahren oder hilflos am Straßenrand
stehen. Die Einsatzmöglichkeiten im Bereich
der Technischen Dokumentation
sind grenzenlos und viel versprechend.
Allerdings hat sich mit den mobilen Geräten
auch verändert, wann, wo und wie
wir Informationen erwarten, überfliegen
und tatsächlich lesen. Das Nutzungsverhalten
ist komplett neu:
- Egal, wo wir gerade sind und was wir
tun, zappen wir laufend durch Nachrichten,
immer auf der Suche nach dem Neuesten.
Interessante Stationen wie Links oder
Textstellen legen wir irgendwie für ein
späteres Lesen ab, welches dann aber
oft nicht stattfindet.
- Wir suchen nach Möglichkeiten, den
roten Faden nicht zu verlieren.
- Wir möchten den Überblick bewahren.
Single Sourcing als Prinzip
Wie schaffen wir es also, die mobilen
Medien für unsere Zwecke attraktiv und
nutzbringend einzusetzen? Die Erstellungsseite
steht vor neuen Herausforderungen,
denn die neuen Medien und
ihre Technik entwickeln sich schnell, und
sie lösen nicht unbedingt die bestehenden
Publikationsmöglichkeiten ab, sondern
müssen parallel dazu bedient werden.
Die Folge dieser Entwicklung ist,
dass dieselben Inhalte in immer mehr
Medien für unterschiedliche Zwecke, in
unterschiedlicher Form und in immer
kürzeren Zeiträumen bereitgestellt werden
müssen. Hier hat sich das Single-
Source-Prinzip bewährt. Inhalte werden
in kleine Bausteine aufgeteilt und möglichst
medienneutral an nur einer Stelle
erstellt und gepflegt. Aus dem Baukasten
können dann mit geeigneten technischen
Mitteln die unterschiedlichen Medien
fl exibel und passend bedient werden.
Mal eben schnell ein mobiles Buch?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten,
Technische Dokumentation auf mobile
Geräte zu bringen. Zentral ist dabei eine
Frage: Sollen meine Dokumente lediglich
mobil lesbar gemacht werden oder
will ich neue Welten betreten und mit
einer App das ganze attraktive Funktionsspektrum
des Endgerätes nutzen?
Soll die Dokumentation als einfaches E-Book,
also ohne Einbeziehen der Hardware-
Funktionen, auf mobilen Geräten
lesbar sein, diktieren im Prinzip nur die
Größe des Displays und die angebotenen
Formate auf dem Zielgerät den Erstellungsprozess.
Tablet-PCs, Smartphones und E-Book-
Reader akzeptieren für die Anzeige verschiedene
gängige Dateiformate: PDF,
TXT, Word- und HTML-Dateien werden
unterstützt. Bei den meisten kann man
EPUB finden, das auf XML basierende
Format zum Anzeigen von E-Books.
Manchmal ist dieser Open-Source-Standard
integriert, manchmal ist eine App
nötig, welche die EPUB-Darstellung
ermöglicht. Dass die einzelnen Formate
auf allen Lesegeräten und mit jeder
Lesesoftware gleich dargestellt werden,
ist allerdings noch ein frommer
Wunsch.
Technisch gesehen lässt sich ein aus
dem Single-Source-Prozess heraus entstandenes
Format als mobile Version
also durchaus verwenden, jedoch droht
rasch ein Durcheinander auf dem mobilen
Bildschirm: Der Inhalt der für Print
oder Desktop-Bildschirm hergestellten
Version wird etwa zu klein dargestellt;
Hochzoomen bewirkt, dass nur noch ein
Ausschnitt zu sehen ist und man scrollen
muss; schlimmstenfalls wird der Inhalt
vom Gerät unleserlich umbrochen;
Tabellen und Grafiken werden oft verzogen
und unbrauchbar dargestellt. Das
Ausgangsdokument muss also für die
Displaygröße optimiert werden, denn
Benutzerfreundlichkeit hat auch auf
mobilen Endgeräten oberste Priorität.
Die zentralen Fragen bei diesem Schritt
sind nicht andere als bisher, spitzen sich
aber quasi zu: Welche Aussage will ich
wirklich transportieren? Wie lässt sich
die Informationsmenge minimieren,
ohne dass Sinn und Stringenz verloren
gehen? Wie führe ich meinen User durch
die Doku?
Die Struktur des Inhaltes muss sich in
einer intuitiven Weise auf dem kleinen
Display niederschlagen und sich dem
Leseverhalten auf dem mobilen Gerät
anpassen. Modularität in Bausteinen
erhält einen noch höheren Stellenwert:
Kleine Elemente, klar verständlich, logisch
zusammengebaut und verknüpft,
sind auf dem Minibildschirm leichter
erfass- und bedienbar. Das mobile Endgerät
verlangt eine neue Dimension der
Präzision und Innovation.
Für Texte gilt: noch weniger Wörter und
Buchstaben, noch knappere Sätze. Grafiken,
Videos und Animationen können
viel Text ersetzen, aber auch diese visuellen
Elemente müssen in Darstellung und
Bedienung ganz speziell auf den kleinen
Bildschirm abgestimmt werden.
Ein mobiles Dokument ist also bereits
eine Herausforderung, wenn herkömmliche
Formate als Basis verwendet werden.
Die noch größere Aufgabe – gleichzeitig
aber auch die neue Chance für
die Branche – ist es, Dokumentation als
Apps zu publizieren.
Apps der unbegrenzten Möglichkeiten?
Mobile Endgeräte bieten mit ihren
Grundfunktionen ganz neue Mittel, die
bei der Auswahl und dem Aufbau des
Contents mitberücksichtigt werden können.
Wie kann zum Beispiel die Hardware
des Smartphones hinzugezogen werden,
um die Suche oder die Navigation nach
der Information abzukürzen oder zu beschleunigen?
Kann ich Inhalt eventuell
durch eine Funktion des Endgerätes ersetzen?
Hier ist viel Kreativität gefragt: Es
gilt, die Optionen des Smartphones wie
Geolokation, Fotoapparat, Tonerkennung
und Filmaufnahme, Berührungs und
Bewegungssensoren mit dem Inhalt
zu verknüpfen und sie einfallsreich und
produktiv einzusetzen.
Will ich die Vorteile des Endgerätes
voll nutzen, muss meine App dessen
Hardware-Komponenten ansteuern und
verwenden können. Die verschiedenen
Plattformen verlangen, dass die Apps in
der passenden Entwicklungsumgebung
und Programmiersprache erstellt werden
oder zumindest mittels Application
Programming Interfaces (API) an die
Hardware gekoppelt werden. APIs wiederum
sind bezogen auf die Systemplattform.
Um die Anbindung zu erreichen, gibt es
bei der Erstellung von Apps zwei Möglichkeiten:
Sie können entweder nativ
entwickelt oder aber als Web-App aufgestellt
werden, welche mit einem Zwischenschritt
mit dem Betriebssystem des
Zielgerätes verbunden werden.
Native Apps werden lokal auf dem
Smartphone oder Tablet-PC abgelegt
und laufen nur auf dem Betriebssystem
einwandfrei, für das sie programmiert
wurden. Auf dem internationalen Markt
muss man eine App für eine Reichweite
von 90 Prozent momentan immerhin
für vier Plattformen – Android, Symbian,
iOS und RIM – entwickeln. Mit dem
Windows Phone 7 mischt inzwischen
auch Microsoft mit. Der Markt ist stark
in Bewegung. Welche Betriebssysteme in
Zukunft eine entscheidende Rolle spielen
werden, ist nicht voraussehbar. Eine gute
Abdeckung mit nativen Apps bedeutet
also: unterschiedlichste Entwicklungsumgebungen
installieren und mehrere
Programmiersprachen wie C++, Java, Qt
oder Objective-C beherrschen. Dass dies
zeitlich und finanziell aufwändig ist, liegt
auf der Hand.
Wenn die Applikation als HTML/XML basierte
Web-App programmiert wird,
ist die Lage etwas entspannter. Dank
HTML5, CSS3 und JavaScript lassen sich
Web-Apps mit nahezu denselben Funktionen
ausstatten wie native Apps. Für
den vollen Funktionsumfang müssen sie
über betriebssystemgebundene APIs an
das Endgerät angebunden werden. Dafür
gibt es verschiedene Möglichkeiten,
die man je nach gewünschtem Ergebnis
und verkraftbarem Aufwand hinzuziehen
kann (siehe Kasten). Auf
jeden Fall ist auch hier eine Diversifikation
im Hinblick auf die gewünschten
Zielgeräte notwendig.
Ein echtes Single-Source-Prinzip scheint
bislang für mobile Endgeräte weder in
punkto Erstellung noch in punkto Publikationstechnik
realistisch umsetzbar zu
sein. Der Ein-Klick-Veröffentlichung auf
mobilen Geräten stehen die kleine Bildschirmgröße
und die Vielfalt an Plattformen
oder Publikationsformaten im Weg.
Was Apps angeht, steht deren Entwicklung
noch am Anfang. Für die Technische
Dokumentation lohnt es sich, die
Chancen mobiler Publikation gegen die
Ressourcenintensität abzuwägen, am
Ball zu bleiben und die technische Entwicklung
innovativer Möglichkeiten interessiert
zu beobachten.
Publikationstechniken auf mobile Geräte
Software-Extensions
Extensions werden hinter Publishing- Lösungen gehängt. Sie wandeln Web- Apps oder für den Print vorgesehene Dokumente für ein bestimmtes Betriebssystem um. Zeitungs- und Zeitschriftenverlage verwenden diese Programme, um ihre Publikationen mobil auszugeben. Das App Studio von Quark zum Beispiel ist ein Modul für das Single-Source-System Quark Publishing Solution und ermöglicht die Ausgabe aus XML auf das iPad. Die Digital Publishing Suite (DPS) von Adobe ihrerseits publiziert Dateien aus InDesign auf das iPad. Noch veröffentlichen Extensions bevorzugt auf das iPad; die Hersteller bemühen sich aber gegenwärtig, ihre Tools für möglichst viele mobile Betriebssysteme tauglich zu machen.
Frameworks
Frameworks bilden die Schnittstelle zwischen der HTML-Vorlage und der Hardware des Zielgerätes. Es gibt Lösungen, die nur auf ein Betriebssystem ausgeben und solche, mit denen man mehrere Zielplattformen bedient. Beispiele sind TapLynx von NewsGator (für iOS), das kostenfreie Open-Source- Projekt Phone Gap (für bis zu sechs Plattformen) oder SenchaTouch von Sencha (für das iPhone, das BlackBerry und Android-Geräte). Entwicklerkenntnisse braucht man für die Publikation nicht. Damit das Framework die Verknüpfungen herstellen kann, ist jedoch die Installation der Programmierumgebung und der APIs der angestrebten Zielplattformen nötig. Danach greift das Framework selbständig auf die benötigten Codes zu.
Interpretation auf dem
Endgerät
Einen innovativen Ansatz, der den Spieß sozusagen umdreht, bietet die junge Berliner Firma equeo GmbH. Mit der „equeo Mobile Suite“ schreibt man eine betriebssystemunabhängige XML-Datei und überlässt die Interpretation in die richtige Plattform- Sprache dem Endgerät. Dazu muss der Benutzer die für sein Smartphone spezifizierte Interpretationssoftware installieren, den „Mobile Player“. Diese Lösung ist hauptsächlich geeignet für Business-Apps – Anwendungen, mit denen Betriebe ihren Mitarbeitern über das Smartphone oder Tablet Zugriff auf den Firmenserver verschaffen oder ihnen lokale Apps wie Lernprogramme oder Wissensdatenbanken zur Verfügung stellen.
Autorinnen:
Prof. Sissi Closs ist
Inhaberin und Geschaftsführerin von
Comet Computer und Comet Communication.
Mirjam Helena Bertram ist
Web-Redakteurin bei Comet Computer.
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